Zeitungsverteiler GPS-überwacht

Für die Verteilung der kommenden Wahlkreiszeitung von Halina Wawzyniak habe ich mir einige Angebot von professionellen Vertriebsunternehmen schicken lassen. Das allein ist noch nicht sonderlich spannend – wäre da nicht das Angebot der Firma Haushaltwerbung Walter. Mit einem eigenen PDF-Flyer wird auf einen GPS-Tracking verwiesen (man beachte das glückliche Lächeln der abgebildeten Mitarbeiterin):

GPS Tracking stellt eine neuartige Erfolgskontrolle über die Zustellung ihrer Werbemaßnahmen dar. Als Eigenentwicklung der Unternehmensgruppe Walter zählt GPS Tracking zu den fortschrittlichsten Kontrollmechanismen im Direktmarketing.

Es werden also die Mitarbeiter auf ihren Touren lückenlos überwacht. Dabei werden nicht nur die Wegstrecke sondern auch die jeweiligen Zeiten, die für die Strecken benötigt werden, aufgezeichnet.

Datenschutzbedenken sind hier m.E. angebracht. Eine kurze Recherche ergab dazu folgenden spannenden Satz (hier im Zusammenhang mit GPS in Firmenwagen) der Deutschen Anwaltshotline:

Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist bei technischen Einrichtungen mit solchen Möglichkeiten grundsätzlich von einer Überwachung des Verhaltens oder der Leistungen der Arbeitnehmer auszugehen – egal, ob der Arbeitgeber diese Optionen tatsächlich wahrzunehmen beabsichtigt und die durch die Überwachung gewonnenen Daten auch dementsprechend auswertet

Die Firma Walter stellt das ganze auch noch in einem tollen Werbevideo inklusive hochmotivierten Mitarbeitern dar. Eklig. Sollte jemand aus dem möglicherweise existenten Betriebsrat der Firma Walter dies lesen, kann er sich ja mal melden. Ich hätte da noch die ein oder andere Frage.

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5 Kommentare

  1. Erstellt am 20. Januar 2010 um 18:29 | Permanent-Link

    Ich bin von Walter. Da ist nix verbotenes dran. Die Verteiler werden nicht heimlich überwacht, sondern aktivieren selbst die Geräte und belegen somit selbst ihre Arbeit!!! Das ist ein riesen Unterschied zur heimlichem Bespitzelung.

  2. Erstellt am 20. Januar 2010 um 18:47 | Permanent-Link

    Danke für die schnelle Reaktion. Mich würde interessieren, was die Mitarbeiter vom Einsatz des GPS Trackings halten. Können diese sich auch nur für Touren ohne Tracking melden oder wird der Einsatz des GPS verlangt? Was “droht” den Mitarbeitern denn, wenn die Auswertung ergibt, dass sie ungewöhnlich “langsam arbeiten”?

  3. Jens Michael
    Erstellt am 21. Januar 2010 um 11:52 | Permanent-Link

    Guten Tag, ich bin der Datenschutzbeauftragter der Firma Walter.

    Gerne nehme ich zu Ihren Fragen Stellung.
    1. Ja, es gibt auch Gebiete die nicht mit GPS überprüft werden.
    2. Es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert.
    3. Die Zusteller setzten das System freiwillig ein und werden dafür auch belohnt.
    4. Die Arbeitsgeschwindigkeit spielt keine Rolle. Uns und unseren Kunden ist nur wichtig, dass das gesamte Zustellgebiet abgedeckt wird.
    Wenn Sie an einer Musterkarte aus der Praxis interessiert sind wenden Sie sich gerne an mich.

    vielen dank.

  4. Christian
    Erstellt am 13. Februar 2010 um 03:16 | Permanent-Link

    So etwas ist generell abzulehnen! Ein “Freiwilligkeit” seitens des Mitarbeiters gibt es hier nicht. In der Praxis wird man dann vor die Wahl gestellt es zu machen,
    die Stelle nicht zu bekommen oder erhebliche Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen. “Arbeitsgeschwindigkeit spielt keine Rolle” ist auch lustig. Wer wird denn weiter beschäftigt, wieder gebucht, der Schnellere oder der eine Stunde länger gebraucht hat? So ein Tracking macht doch eine Selektion erst möglich.
    Wie wäre es, wenn ich Ihrem Chef vorschlage Ihre Arbeitsweise auf Ihrem Rechner zu “überwachen”? Ob Sie auch effizient genug sind. Natürlich nur, um Sie dann besser unterstützen zu können! Alles ganz freiwillig von Ihnen natürlich! Aber Sie haben ja nichts zu verbergen, oder? Wie Herr Greune schon sagte “Da ist nix verbotenes dran”… Sie “werden nicht heimlich überwacht… und belegen somit selbst ihre Arbeit!!!” – Toll, oder?

    Fragen Sie sich mal selbst, nur für sich, ganz offen und ehrlich: Würde es Ihnen gefallen ständig bei Ihrer Arbeit überwacht zu werden? Das ist kein schönes Gefühl, glauben Sie mir!

    Ich arbeite für ein sehr großes Unternehmen, mit einem großen Budget für Marketing. Wir haben langjährige Partner, die wir persönlich gut kennen. Ein derartiges Geschäftsgebaren lehnen wir kategorisch ab. Alleine schon der mögliche Imageschaden bei den derzeit anhaltenden Skandalen, wäre in Summe gar nicht zu beziffern. Da setzen wir lieber auf Vertrauen zu unseren Partnern und deren Mitarbeitern, sowie auf die Zahlen, die uns den Erfolg solcher Maßnahmen im Anschluss belegen.

    Und zum Thema “Freiwilligkeit”:
    Das wohl herausragendste Missbrauchsbeispiel der vergangenen Wochen für die “Freiwilligkeit” der Mitarbeiter, zeigen die Bluttests vor der Einstellung bei Daimler, Axel Springer oder die öffentlich Rechtlichen. Hier hieß es auch, der Mitarbeiter muss es ja nicht machen, ist freiwillig! http://www.openpr.de/news/370857/Diskriminierende-Bluttests-bei-Einstellung.html

    Wäre das nichts für Sie? Erst mal schauen ob der Mitarbeiter auch wirklich gesund ist und dann per Tracking seine Arbeit überwachen. Macht der Mitarbeiter doch alles freiwillig! “Da ist nix verbotenes dran” wenn ich Herrn Greune noch mal Zitieren darf.

    Schöne neue Welt…

  5. sven
    Erstellt am 13. Februar 2010 um 22:11 | Permanent-Link

    “3. Die Zusteller setzten das System freiwillig ein und werden dafür auch belohnt.”
    Bei den Hungerlöhnen die es in der Branche gibt ist die “Belohnung” sicher total freiwillig. Klar, wer nur zum Spass Kataloge verteilt kann auch ohne GPS arbeiten.

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